Zukunft

Am vergangenen Donnerstag war ich mit einem Freund bei einer Lesung von Frank Schätzing. Limit live hiess das Ganze und war nun nicht gerade das, was man sich unter einer normalen Lesung vorstellt. Schätzing nahm uns mit auf eine multimediale Reise in die Zukunft. U.a. gab es eine Nachrichtensendung aus dem Jahr 2025 zu sehen inkl. einer Schaltung zum Mond, einem kurzen Bericht über ein Zusammentreffen von Bundeskanzler zu Guttenberg mit US-Präsident Schwarzenegger, einem Rückblick auf vergangene Zukunftshypothesen – die sich nahezu alle als falsch erwiesen haben, fingierte Gesprächen mit einigen Hauptdarstellern aus dem Buch u.s.w. . Es hilft etwas, wenn man das Buch vor dem Besuch bei „Limit live“ kennt. Wenn man es nicht kennt, ist es auch nicht weiter schlimm.

Fazit: Ein kurzweiliger, netter Abend, der durchaus auch zum Nachdenken anregte.

Zum Beispiel darüber, warum so viele Menschen Angst vor der Zukunft haben. Schätzing hat erwähnt, 60% aller Deutschen haben Angst vor der Zukunft. Warum? Wieso haben so viele Menschen Angst vor etwas, dass noch gar nicht passiert ist? Die Zukunft ist doch letztlich ein leerer Raum, sie ist ungewiss und zugleich ist sie gestaltbar. Auf die Vergangenheit können wir keinen Einfluss mehr nehmen. Sie ist Teil unserer Geschichte. Sicher hat sie auch eine große Bedeutung für die Zukunft – aus den Lehren der Vergangenheit leiten wir viele Entscheidungen ab, die unsere Zukunft beeinflussen. Nicht immer zu unserem Vorteil.

Passend dazu gibt es im aktuellen Zeitmagazin einen Bericht über eine breit angelegte soziologische Studie in Wittenberge. In 25 Kernaussagen fassen die Forscher ihre Beobachtungen zusammen (click hier). Eins der bemerkenswertesten Ergebnisse finde ich Nr. 6 :

6. Wenn die Sozialforscher in ihren Interviews nach den meistgenannten Wörtern suchen, sind das immer »damals« und »früher«.

Mir sagt das, dass dort einiges absolut nicht stimmen kann in Wittenberge. Leute, das Gestern ist vorbei, es ist gelaufen! Und eins ist sicher, es war nicht besser. Es war nur anders, aber auf Sand gebaut. Zusammengebrochen ist der ganze Irrsinn, weil das alles Mist war mit der Planwirtschaft und dem Sozialismus. Ist eben so gelaufen. Und nun hat man den Salat und redet davon, wie toll es doch war „damals“?

Ich denke, eine allzu intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit ist nicht vernünftig. Lehren ziehen, ja natürlich, aber das „Damals“ zu glorifizieren und auf irgendeine Weise zu versuchen, dieses „Damals“ wieder zu erlangen, das ist Unfug. Wir haben es in der Hand, die Zukunft zu formen. Sie ist der gestaltbare Teil des Zeitstrahls. Ihr müssen wir unsere Kraft widmen.

Euch eine menschliche Zeit.

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