scientologisches gottesgedöns

Vielleicht liegt es dran, das Winter ist. Jedenfalls stolpere ich gerade erstaunlich oft über irgendwelchen Irrsinn. Gestern z.B. lief eine Doku über Scientology im Fernsehen. Die sind echt krass drauf, die Typen. Ihr Guru Ron L. Hubbard hat die Scientologerei in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erfunden. Mir ist vollkommen unverständlich, wie man auf so einen Kram kommen kann – noch verrückter ist eigentlich nur, dass es Leute gibt, die das auch noch glauben (und dafür einen Haufen Kohle ausgeben). Ist der gleiche Unfug wie Steiners Anthroposophie. Der war mindestens genau so durchgedreht wie Hubbard, aber auf irgendeine magische Weise finden sich eine Menge Leute, die sein esotersiches Geschreibsel tatsächlich ernst nehmen. Zu allem Überfluss habe ich mir dann noch die Website eines Vereins bibeltreuer Leute angesehen, die das hierzulande gängige heilige Buch außergewöhnlich ernst nehmen und glauben, selbiges sei die Offenbarung eines Gottes. Sie haben allerlei lustige Ideen über die Welt und den Sinn des Lebens, aber wie es scheint sind sie wenigstens harmlos. Dabei ist es doch ganz einfach: Jeder weiß schliesslich, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem („life, the universe and everything“) schlicht „42“ lautet.

Da fällt mir gerade ein, in unserem Garten leben Gartengespenster. Die sind blassgrün, beflügelt, sehr erotisch (die Gespensterinnen sehen aus wie Megan Fox, die Gespenstertypen wie Til Schweiger) und extrem nett. Nur, die wenigsten bekommen sie zu Gesicht. Immer wenn man guckt, dematerialisieren sie sich exakt 1/1000 s zuvor und sind futsch (es handelt sich um relativistische Quantenwesen). Ich bin der Einzige, der sie sehen kann! In der Tat bin ich der Hohepriester der Freikirche vom grünen erotischen Gartengespenst! Derzeit verfasse ich das zugehörige heilige Buch 🙂 . Im wesentlichen handelt es davon, dass die Gespielinnen des Hohepriesters aussehen wie Megan Fox und vertiefte Kenntnisse der indischen Küche sowie des Kamasutra aufweisen (Bewerbungen bitte nur mit Bild an meine Mailadresse).

Die Crux ist: Eine These, die nicht falsifizierbar ist, stimmt eben immer. So ist es mit Göttern, Wahrsagern, dem Steinerschen Akasha-Quatsch, Moses´ Steingetäfel und Hubbards Thetan-Gedöns. In Russland lebt sogar ein Typ der sich Wissarion nennt, und allen Ernstes von sich selbst und einer Gemeinschaft sinnsuchender Späthippies als Wiederkunft des Jesus von Nazareth (seinerseits vaterloser Sohn einer jungfräulichen Mutter) angesehen wird. Wie will man das widerlegen? Man kann es nicht. Könnte ja sein, dass er es tatsächlich ist. Jedenfalls hat er einen echt gruseligen Haarschnitt. Die Sache mit der vaterlosen Jungfräulichkeit nehme ich ihnen übrigens nicht ab.

Logischer Verstand hilft weiter. Der sollte einem als erstes sagen, dass eine nicht widerlegbare These zunächst einmal eine ziemlich heiße Kartoffel ist. Sicher ist es Unfug, jede nicht falsifizierbare These als irrelevant zu verwerfen. Aber man muss immer fein aufpassen, dass man nicht anfängt, so etwas wie einen Regentanz aufzuführen. Wer etwas genaueres über die Sache mit der Logik der Forschung wissen will, dem rate ich an, Karl Popper zu studieren.

Ich z.B. habe festgestellt, dass Regentänze im April supergut funktionieren. Die Wahrheit ist, ein Regentanz führt in unseren Breiten im April in 90% der Fälle binnen 7 Tagen zu Regen. Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Es regnet ja auch ohne Tanz. Man merkt das, wenn man sich die Mühe macht, das Tanzen sein zu lassen. Wenn es dann trotzdem regnet … tja, dann weiß man immer noch nicht genau, dass der Regentanz Kappes ist. Denn es könnte ja sein, dass es auch ohne Tanzen mal regnet, oder das es mit Tanzen mehr geregnet hätte. Das ist im übrigen der Kern der Homöopathie. Dieser esoterische Quatsch ist nichts weiter als ein seit über 200 Jahren andauernder Regentanz.

Mein aktueller Lieblingskult ist die John Frum Bewegung. Wer Zeit und Muße hat, kann sich hier die für ihn geeignete Gottheit/Göttin heraussuchen.

Euch eine menschliche Zeit.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.