dogscafe_politics: von apple, google und den kommunisten

Im google Firmenblog ist ein bemerkenswerter Post des Google-Justitiars David Drummond zu lesen. Google und einige andere Unternehmen wurden kürzlich massiv aus dem Netz angegriffen. Dabei wurden Daten von Google gestohlen. Zudem wurde im Rahmen der Attacke versucht, Mailkonten von Menschenrechtsaktivisten auszuspähen (was nur in geringem Umfang gelang). Die Angreifer konnten allerdings nur Account-Informationen und Betreffzeilen ermitteln, nicht aber die Texte der Mails.

Die Quelle der Angriffe konnte eindeutig ermittelt werden: China.

Google ist nun nicht mehr länger bereit, die Zensurspielchen der chinesischen Regierung mitzuspielen. Sie sagen, dass sie in China künftig entweder eine unzensierte Version von Google laufen lassen werden oder in letzter Konsequenz ihr Chinageschäft aufgeben.

Was sind das nur für arme Würstchen in der chinesischen Regierung? Wieviel Angst müssen diese kommunistischen Wichte haben, dass sie ihre eigenen Bürger bespitzeln, ausspähen, die Presse kontrollieren, keine freie Meinungsäußerung zulassen, Kritiker verhaften und einsperren? Ich habe für solche Regimes nur Verachtung übrig und freue mich auf den Tag, an dem China endlich ein demokratischer Staat ist.

Mh, Google … in den letzten Jahren ist Google sehr mächtig geworden. Die Datenbestände von Google sind unglaublich umfangreich und ich bin sicher, dass Google und Apple mehr über mich wissen, als ich selbst – zumindest in mancher Hinsicht. Komischerweise habe ich damit gar kein so großes Problem. Ich denke, dass meine Daten bei Apple oder Google in jedem Fall besser aufgehoben sind, als bei einer staatlichen Institution. Und ich glaube, dass Google „not evil“ ist. Denn Googles Geschäftsmodell beruht auf Vertrauen. Wenn die User Google mißtrauen, ist es schnell vorbei mit dem Geschäft. Oder nehmen wir Apple als anderes Beispiel. Mobile Meist unheimlich praktisch – im Gegenzug „kennt“ Apple natürlich meinen Kalender, kann meine Mails lesen  … und ich bezahle auch noch dafür! Aber es macht mir das Leben leichter 🙂

Ich glaube, eine der Kernfragen ist, was derjenige, der etwas von mir weiss, mit den Daten anfangen will. Der chinesische Staat sammelt Daten, um seine Bürger zu unterdrücken, zu kontrollieren, zu sanktionieren. Und er hat die Mittel dazu, z.B. eine regimetreue Justiz und Polizei. Google oder Apple können das nicht, die haben keine Geheimpolizei. Sie brauchen mich als Kunden, um zu überleben. Deswegen funktioniert Zensur und Überwachung in totalitären, verbrecherischen Staaten wie China so viel besser als in Demokratien. Denn der demokratische Staat braucht seine Bürger in gewissem Sinne auch als „Kunden“, als Wähler. Die Wähler sind es, die die Regierung legitmieren.

Euch eine menschliche, demokratische Zeit.

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2 Gedanken zu „dogscafe_politics: von apple, google und den kommunisten

  1. Dirk

    Die Entscheidung von Google ist durchaus zu begrüßen. Anderseits werden sie gewußt haben mit wem sie sich ins Bett legen.
    Zum Thema Geheimdienste und Demokratie: Der Patriot
    Act vom Okt. 2001 gestattet dem FBI den Zugriff auf private Datenbanken ohne Richterbeschluss incl. der Weitergabe an die Regierung (auch unserer Daten bei Google, Apple, Amazon etc.). Wer sollte Geheimdienste davon abhalten Personenprofile aufgrund von MySpace zu erstellen? Das machen doch selbst Personalchefs mit Bewerbern.
    Existieren Datenmengen so werden Begehrlichkeiten geweckt. Es gibt nun einmal nicht „nur“ Gutmenschen, auch nicht in einer Demokratie wie wir sie (zum Glück) in Deutschland haben.
    Google ist ein Wirtschaftsunternehmen. Es geht um Geld! Ferner hat man in der Zwischenzeit ein Machtpotential das nicht so schnell gekippt werden kann. Auch nicht von der Web-Community die immer noch mächtig ist, jedoch immer phlegmatischer wird was die Weitergabe von persönlichen Daten und die Fähigkeit zur Kritik angeht. Wer sich im Web auszieht darf sich nicht beschweren wenn andere ihn nackt sehen.
    Auf der anderen Seite wird sich wohl kein Geheimdienst für kleine Lichter wie uns interessieren. Wohl aber die Wirtschaft. Welches Rasierwasser kauft der Rolf und wie oft im Monat tankt er welchen Sprit. Ergebnis ist die real existierende Werbeflut. Das ist lästig aber nicht schlimm.
    Dennoch gilt auch und gerade im Web: Wehred den Anfängen!

  2. rolf Beitragsautor

    Hallo Dirk,

    danke für Deinen Kommentar. Du hast natürlich recht. Wo Daten sind, da sind auch Begehrlichkeiten, etwas mit ihnen anzufangen. Dein Verweis auf den Patriot Act zeigt die Problematik. Daten sind mobil, global, schnell. Demgegenüber stehen national organisierte Rechtssysteme. Wie soll das gehen? Insofern sehe ich es genau wie Du – was interessiert sich irgendein Geheimdienst für mein Tun? Und wenn doch, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen. Wäre ich allerdings ein finsterer Finsterling, würde ich mich mittels Anonymizer, PGP und Co. so verstecken, dass mich niemand finden würde. Und ich bin sicher, das würde mir auch gelingen.

    Nochmal wegen Google. Ich weiß es wirklich nicht genau (woher auch), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses angeblich blöde Google-Firmenmotto „Don´t be evil!“ schon einen sehr wahren Kern hat. Google interessiert sich doch nicht für mich als Person? Google verkauft sozusagen statistische Daten. Das ist o.k. für mich, ein fairer Deal. Immerhin habe ich ja auch was davon – eine Menge sogar – und komme bei dem Geschäft ganz gut weg. Die Suchmaschine ist ja nur ein Teil davon. Ich nutze Google Earth, Google Groups, Feedburner, Google Mail, Google Calendar. Ohne Apples MobileMe möchte ich nicht mehr sein (obwohl ich es erst seit kurzem nutze) und Facebook ist eine wirklich nette Sache. Es ist doch so: Viele dieser Dienste machen nur dann Sinn, wenn viele Leute mitmachen und „ihre“ Daten preisgeben.

    Man muss sich nur darüber im klaren sein, dass das Web nicht privat ist. DAS ist es nämlich nicht. Da bin ich ganz Deiner Ansicht.

    Äh, und ich benutze kein Rasierwasser 🙂

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