die gasflasche

Es ist Freitag Abend in einem deutschen Baumarkt. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, so wie Freitage eben sind. Doch heute sollte etwas anders sein als sonst. Heute sollte der kommen, der die Frage nach dem Warum? stellt.

Mit dem Ansinnen, eine Gasflasche zu tauschen, betritt ein Mann mittleren Alters den Baumarkt. Er geht zielstrebig zur Information gleich neben der Kasse, stellt die leere Gasflasche dort ab und bittet um den Tauschbeleg. Die hinter der Theke verschanzte Informantin druckt ein magisches Formular aus und legt es unserem Protagonisten – nachdem sie selbst es sorgfältig unterzeichnet hat – zur Unterschrift vor. Mit großer Ehrfurcht unterzeichnet der gasbedürftige Mann den magischen Beleg, woraufhin die Informantin ihm das Dokument in die Hand gibt.

Der Mann findet das Gasflaschenlager, entnimmt ohne weitere Passkontrollen und Nacktscans eine volle Flasche und begibt sich zur Kasse. Die Kasse befindet sich ca. 2m Luftlinie von der Information entfernt, dort steht immer noch die Informantin, wacht darüber, wer den Baumarkt betritt und stellt gelegentlich weitere magische Dokumente aus, über deren Inhalt man gar nichts wissen will.

An der Kasse sitzt eine Dame, die wie die Informantin die Uniform des Baumarkts trägt. Sie hat eins dieser Durchschnittsgesichter, die man gleich wieder vergessen hat. Offenbar handelt es sich um einen niederen Dienstgrad. Sie nimmt das magische Formular und prüft es unter den wachsamen Blicken der 2m entfernt argwöhnisch herüberäugenden Informantin, die sich listig hinter ihrer Theke verschanzt hat.

Nachdem die Kassiererin den gasbedürftigen Mann eingehend betrachtet hat legt sie ihm erneut das bereits von ihm und der Informantin unterzeichnete magische Dokument vor und verlangt eine weitere Unterschrift. Sie selbst unterzeichnet es nicht. Vermutlich darf sie aufgrund ihres niedrigen Dienstgrades keine Unterschriften im Namen der Informantin leisten.

Nun passiert es: Der Mann fragt „Warum?“ . Erstaunen, gepaart mit Unglauben und großer Angst ist auf dem Gesicht der Kassierin zu sehen. Hilfesuchend schaut sie zu der Informantin, die selbst vor Schreck erstarrt ist. Verdattert stammelt sie ein leises „Ich weiß es nicht, ich bin doch nur die Kassiererin“. Der Mann fragt sie, welcher Irre sich das mit der Unterschreiberei und dem magischen Gasflaschentauschdokument überlegt hat. Darauf weiß sie keine Antwort. Vielleicht weiß es die Informantin, von der manche sagen, sie habe IHN, den Erfinder des Gasflaschentauschdokuments schon einmal gesehen. Doch die ist plötzlich verschwunden.

Grinsend verläßt der Mann den Baumarkt. Die Kassiererin betrachtet verwirrt das magische Dokument und der Schreck fährt ihr in die Glieder. Dort, wo die Unterschriften des Gasflaschentauschers sein sollten, sind nichts weiter als zwei flüchtig hingekritzelte Kreuze zu sehen.

Euch eine menschliche Zeit.

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6 Gedanken zu „die gasflasche

  1. Olli

    Jajajajajaja – Gasflaschentausch kann tatsächlich aufregend sein 🙂
    In diesem Falle wars ja wenigstens lustig… 😉

  2. Mel

    Hihihi… Menschen konnen doch recht niedlich und amüsant sein! Vielleicht gibts beim nächsten Tausch ein neues magisches Dokument.
    Schönen Abend und einen dicken Gruß an alle,
    die Mel

  3. rolf Beitragsautor

    Hallo Mel, ja, wer weiß, vielleicht erfinden sie ja tatsächlich ein neues Formular. Kein Scheiß: Ich rätsele seit letzten Freitag daran herum, ob es nicht doch irgendeinen Sinn darin geben könnte 🙂 .

    Liebe Grüße an den Second-Hand-Hund und alle anderen

    Rolf

  4. rolf Beitragsautor

    Hallo Olli, stimmt, lustig war´s in der Tat. Sowas schräges habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Mich würde noch interessieren, wie lange sie die Formulare lagern. Vermutlich sind es 10 Jahre ( guckst Du hier ), mindestens aber 6 Jahre. Krass, oder?

    Liebe Grüße

    Rolf

  5. Mirka

    Pah, ich verspreche dir, wenn ich meine letzte „Gasflaschen-Umtauschaktion“ in Worte fasse sprengt sie nicht nur den Rahmen, sondern auch meine Fingerkuppen. Glaube mir, versuche nie eine rote Gasflasche in eine graue umzutauschen und versuche nie den Verkäufer davon zu überzugen, dass du keinen blassen schimmer mehr hast, wo du das Ding her hast und dass du dir ganz sicher bist, dass du an den Ort wahrschinlich eher nicht mehr zurückkehren wirst. Rote Gasflaschen will nämlich keiner – weil das sind eigene, und wie du die dann auffüllst ist auch dein eigenes Problem! So kommt man jedenfalls nicht an Gas – und ich hatte später eine rote (leere) eine graue (volle) Gasflasche und dazu noch die ersten grauen Haare 😉
    Einen erfreulichen Abend 😉
    Liebe Grüße
    Mirka

  6. rolf Beitragsautor

    Hallo Mirka,

    Deine Gasflaschen-Story ist auch nicht schlecht. Das mit der Farbe wußte ich gar nicht. MIr scheint, die Sache mit den Gasflaschen ist schon ganz schön ausgefuchst in diesem Lande.

    Liebe Grüße

    Rolf

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