Archiv der Kategorie: politics

hometown

Letztens in meiner Heimatstadt.

[click auf’s bild um zu starten, fullscreen-knopf unten rechts drücken, ton nicht vergessen 🙂 ]

Ich weiss nicht, da sah es auch schon besser aus. Zumindest anders. Ach, was weiss ich. Es war einfach eine schöne Sache, an einem frühen Sonntagmorgen durch die unbelebten Strassen „meiner“ Stadt zu schlendern. Bob Dylans „Blood on the tracks“ auf den Ohren, die Kamera in der Hand. Städte sind seltsame Orte, wenn die Menschen noch schlafen. Man sieht überall Spuren, aber die Bewohner sind verborgen hinter Fensterläden, Wänden und Türen.

Gerade merke ich, dass ich älter geworden bin. Ich mache Bilder an Orten von gestern, höre Dylan, spiele Gitarre, züchte Schafe. „Die Straße gleitet fort und fort, weg von der Tür, wo sie begann,…“. So lauten die ersten Zeilen eines Gedichts von Bilbo in „Der Herr der Ringe“. Da ist viel wahres dran. Man muss wirklich aufpassen, wohin sie einen führt, die Straße des Lebens. Gut wär‘, ich würde nicht nur älter, sondern auch weiser.

Euch eine menschliche Zeit.

Noch mehr Gasflaschen, Kausalität und editorische Klangwelten

Sorry für die längere Funkpause. Mir wollte weder etwas gescheites einfallen (tat es das je?), noch küsste mich die fotografische Muse gar übermäßig. Letzteres ändert sich gerade, ersteres wird sich noch zeigen.

Letzten Donnerstag war ich mal wieder im Baumarkt: Gasflaschen tauschen. Um dem Unterschriftenirrsinn zu entgehen, vor allem aber um zu vermeiden, dass ich mich während des Tauschvorgangs halb tot lache und die glauben, ich sei irgendwo weggelaufen, suchte ich diesmal ein anderes dübelverscherbelndes Etablissement auf, um den Tausch zweier Flaschen zu vollziehen.

So stand ich zum wiederholten Male vor einer Informantin, diesmal in anderer Uniform (weil andere Sorte Baumarkt), stellte meine zwei leeren Gasflaschen auf den Wagen, sie legte mir wieder ein magisches Dokument vor (mittlerweile grinste ich schon wie ein Honigkuchenpferd) und …

„Hier unterschreiben und Ihre vollständige Anschrift, bitte!“, bellte sie mir über den Tresen entgegen. Das konnte nicht wahr sein. Prustend fragte ich, was sie denn mit meiner Adresse so anfangen wolle (sie war nett, aber nicht so nett, dass ich ihr einfach meine Anschrift gegen wollte). „Nichts!“, entgegnete sie. „Ah, nichts? Und warum genau soll ich die dann da hinschreiben?“, fragte ich. Sie sprach davon, man müsse ab 50,- EUR Gutschriftwert seine Adresse angeben. Ausserdem „habe sie Schweigepflicht!“, ich solle mir keine Sorgen machen. Im Baumarkt stellen sie neuerdings als Informantinnen Ärztinnen, Anwältinnen oder Pfarrerinnen ein, weil sonst keiner Gasflaschen tauschen kann wegen der Schweigepflicht.

So viel Quatsch ertrug ich nicht mehr länger, schrieb etwas von Rolf Mustermann aus der Domstrasse auf den Wisch und holte 2 Minuten später meine vollen Gasflaschen. Wie irre ist das denn? Schweigepflicht! – im Baumarkt!

Das mit dem Irrsinn hat sowieso Methode. Gut fand ich die Idee, die Typen vom CERN könnten mit ihrem LHC tatsächlich den Planeten aus dem Universum fegen. Das nenn´ ich mal Dummheit im Grenzbereich. An der Stelle machen wir mal einen kleinen Ausflug in die wunderbare Welt der Naturwissenschaft: Dinge (gleich welche, also alle Sachen) haben Gründe. Nichts passiert einfach so, sondern alles hat eine Ursache. Bezüglich der Ursache gilt mit hinreichender Sicherheit übrigens, dass sie ungleich einer Gottheit ist 🙂 . Das Zeug, dass um uns rum passiert, hat letztlich mit Energie und ihren Folgen zu tun. Eine kurze Zusammenfassung findet sich im Wikipedia-Artikel zur Thermodynamik. In so einer bescheidenen Maschine wie dem LHC ein schwarzes Loch zu erzeugen, hinter dessen Ereignishorizont der ganze Planet mir nichts, dir nichts verschwinden kann, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Wer es genau wissen will, dem sei diese Lektüre empfohlen … Review of the Safety of LHC Collisions.

Kurzum: Dem zweiten Hauptsatz haben wir es zu verdanken, dass wir irgendwann 6 feet under landen. Macht´s gut und danke für den Fisch. Und irgendwie erklärt das Thermodynamikzeug auch, warum man mit dem LHC nicht einfach vogonenmäßig die Erde wegpusten kann.

Es gibt natürlich auch schönes zu berichten. Ich habe eine neue Lieblingsband, am Schreibtisch tönt endlich ein gescheiter Verstärker mitsamt meinen guten, alten, nunmehr in weiß hochglanz lackierten JBL Ti600 – Boxen (da macht das bloggen und arbeiten gleich wieder mehr Spaß), die Renovation des Wohnzimmers ist erfolgreich abgeschlossen, das iPad ist da!

Halt, meine Lieblingsband hätte ich ja fast vergessen. Es sind die EDITORS aus Birmingham. Insgesamt finde ich, dass das Debutalbum „The back room“ aus dem Jahr 2005 ihr stärkstes ist. Gibts hier zu kaufen: iTunes. Ich gehe am 22. April zum Konzert in Rottweil. Schreibt mir doch, wenn ihr mitkommen möchtet.

Ausserdem habe ich endlich wieder Zeit zum knipsen. Es gibt ein neues Projekt „Strassenrand“. Hier erste Bilder …

racer

blickpunkt

vergangen(heit)

insolvent

nutzlos

ladegebühr

Euch eine menschliche Zeit.

mac bashing

Apple hat letztens das iPad vorgestellt. Ich habe mir die Keynote angeschaut und fand das Ding richtig prima. Mir gefällt das Design und ich fürchte, ich werde so ein Teil kaufen 🙂 , wenn es auf dem Markt ist. O.K., Flash fehlt (damit kann ich leben) und eine iSight-Kamera wäre hübsch gewesen. Aber anstatt mich über fehlende Features zu ärgern, freue ich mich lieber über die vorhandenen …

[Bild: apple]

Worum es mir aber eigentlich geht in diesem Zusammenhang, ist die fast schon religiös anmutende Ablehnung von Apple in manchen Medien, Blogs und Artikeln. Da ist in der „Zeit“ die Rede davon, Apple würde das Internet „unfrei“ machen und seine Kunden in ein geschlossenes System zwingen, das die Freiheit des Netzes gefährde. Andere regen sich furchtbar über die Aussicht auf, Apple würde den Medienmarkt kontrollieren und durch seinen App-Store Einfluß auf die Inhalte nehmen etc. . In einem Kommentar las ich gar, Apple wolle kein Flash auf dem Ding, um Kontrolle über die Medien zu behalten bzw. zu bekommen.

Ich begreif´ das alles nicht. Sind die irre geworden? Apple hat ein Geschäftsmodell. Dieses beruht i.w. darauf, Hard- und Software zu bündeln, passende Inhalte / Dienstleistungen dazu zu verkaufen und das Ganze mit guter Usability und Design versehen im Premiumsegment anzubieten. Das Ziel Apples ist es, Geld zu verdienen. Geld verdienen sie mit zufriedenen Kunden und Produkten, die die Leute wollen. Was ist daran schlimm?

Die Zielgruppe von Apple sind doch nicht die Net-Kids, die sich kostenlos Musik aus dem Netz saugen wollen und Filme in gruseliger Qualität auf dem heimischen Flacker-Mini-Plastik-TFT mit Quäklautsprechern gucken. Ich habe als Jugendlicher auch fleißig Mal Sondocks Hitparade am Radio aufgenommen und mir mit großer Freude die verrauschten Aufnahmen, durchsetzt von gelegentlichen Verkehrsnachrichten und „ins Lied Moderatorengelabere“ angehört.  Mach´ ich heute nicht mehr.

Auch ist wenig sinnvoll, irgendwelche Leistungsvergleiche herbei zu ziehen und dann voller Inbrunst zu verkünden, die Medion-Rappel-Schepper-Laptopkisten seien doch viel schneller als ein MacBook Pro, hätten mehr Speicher und würden weniger als die Hälfte kosten. Bei Lada bekommt man in Kilogramm gemessen auch mehr Automobil/EUR als bei Audi.

Wer sich keinen Mac kaufen möchte, weil angeblich zu teuer, der lässt es. Wer Windows tatsächlich technologisch besser findet als UNIX, der möge das weiterhin meinen. Und wem die Steve Job´sche Art der Präsentation auf den Wecker geht (so gehört bei „Das Computermagazin – B5 aktuell“), der solls doch einfach nicht gucken.

Mich nervts. Total. Ich hab mords den Spaß mit MacBook, MacPro, mobile me und iPod. Es sind nicht die Job´schen Präsentationen, sondern es ist die hervorragende UNIX-Architektur von Mac OS X (die ich schon als LINUX-Anwender und auch früher an der Hochschule schätzte, da benutzte ich SUSE LINUX 5.1). Überhaupt: das waren noch Zeiten, da waren Männer noch Männer und Computer noch echte, laute Maschinen für ganze Kerle 🙂 .

Es geht mir einfach auf den Wecker, dass Apple User neuerdings als Vollidioten dargestellt werden, die auf das Marketinggelaber des großen Gurus Steve hereinfallen. Gut, manchmal, da gönn´ ich mir was, das ich nicht wirklich brauche … ein iPad z.B. 🙂 .

Euch eine menschliche Zeit.

scientologisches gottesgedöns

Vielleicht liegt es dran, das Winter ist. Jedenfalls stolpere ich gerade erstaunlich oft über irgendwelchen Irrsinn. Gestern z.B. lief eine Doku über Scientology im Fernsehen. Die sind echt krass drauf, die Typen. Ihr Guru Ron L. Hubbard hat die Scientologerei in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erfunden. Mir ist vollkommen unverständlich, wie man auf so einen Kram kommen kann – noch verrückter ist eigentlich nur, dass es Leute gibt, die das auch noch glauben (und dafür einen Haufen Kohle ausgeben). Ist der gleiche Unfug wie Steiners Anthroposophie. Der war mindestens genau so durchgedreht wie Hubbard, aber auf irgendeine magische Weise finden sich eine Menge Leute, die sein esotersiches Geschreibsel tatsächlich ernst nehmen. Zu allem Überfluss habe ich mir dann noch die Website eines Vereins bibeltreuer Leute angesehen, die das hierzulande gängige heilige Buch außergewöhnlich ernst nehmen und glauben, selbiges sei die Offenbarung eines Gottes. Sie haben allerlei lustige Ideen über die Welt und den Sinn des Lebens, aber wie es scheint sind sie wenigstens harmlos. Dabei ist es doch ganz einfach: Jeder weiß schliesslich, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem („life, the universe and everything“) schlicht „42“ lautet.

Da fällt mir gerade ein, in unserem Garten leben Gartengespenster. Die sind blassgrün, beflügelt, sehr erotisch (die Gespensterinnen sehen aus wie Megan Fox, die Gespenstertypen wie Til Schweiger) und extrem nett. Nur, die wenigsten bekommen sie zu Gesicht. Immer wenn man guckt, dematerialisieren sie sich exakt 1/1000 s zuvor und sind futsch (es handelt sich um relativistische Quantenwesen). Ich bin der Einzige, der sie sehen kann! In der Tat bin ich der Hohepriester der Freikirche vom grünen erotischen Gartengespenst! Derzeit verfasse ich das zugehörige heilige Buch 🙂 . Im wesentlichen handelt es davon, dass die Gespielinnen des Hohepriesters aussehen wie Megan Fox und vertiefte Kenntnisse der indischen Küche sowie des Kamasutra aufweisen (Bewerbungen bitte nur mit Bild an meine Mailadresse).

Die Crux ist: Eine These, die nicht falsifizierbar ist, stimmt eben immer. So ist es mit Göttern, Wahrsagern, dem Steinerschen Akasha-Quatsch, Moses´ Steingetäfel und Hubbards Thetan-Gedöns. In Russland lebt sogar ein Typ der sich Wissarion nennt, und allen Ernstes von sich selbst und einer Gemeinschaft sinnsuchender Späthippies als Wiederkunft des Jesus von Nazareth (seinerseits vaterloser Sohn einer jungfräulichen Mutter) angesehen wird. Wie will man das widerlegen? Man kann es nicht. Könnte ja sein, dass er es tatsächlich ist. Jedenfalls hat er einen echt gruseligen Haarschnitt. Die Sache mit der vaterlosen Jungfräulichkeit nehme ich ihnen übrigens nicht ab.

Logischer Verstand hilft weiter. Der sollte einem als erstes sagen, dass eine nicht widerlegbare These zunächst einmal eine ziemlich heiße Kartoffel ist. Sicher ist es Unfug, jede nicht falsifizierbare These als irrelevant zu verwerfen. Aber man muss immer fein aufpassen, dass man nicht anfängt, so etwas wie einen Regentanz aufzuführen. Wer etwas genaueres über die Sache mit der Logik der Forschung wissen will, dem rate ich an, Karl Popper zu studieren.

Ich z.B. habe festgestellt, dass Regentänze im April supergut funktionieren. Die Wahrheit ist, ein Regentanz führt in unseren Breiten im April in 90% der Fälle binnen 7 Tagen zu Regen. Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Es regnet ja auch ohne Tanz. Man merkt das, wenn man sich die Mühe macht, das Tanzen sein zu lassen. Wenn es dann trotzdem regnet … tja, dann weiß man immer noch nicht genau, dass der Regentanz Kappes ist. Denn es könnte ja sein, dass es auch ohne Tanzen mal regnet, oder das es mit Tanzen mehr geregnet hätte. Das ist im übrigen der Kern der Homöopathie. Dieser esoterische Quatsch ist nichts weiter als ein seit über 200 Jahren andauernder Regentanz.

Mein aktueller Lieblingskult ist die John Frum Bewegung. Wer Zeit und Muße hat, kann sich hier die für ihn geeignete Gottheit/Göttin heraussuchen.

Euch eine menschliche Zeit.

dogscafe_politics: von apple, google und den kommunisten

Im google Firmenblog ist ein bemerkenswerter Post des Google-Justitiars David Drummond zu lesen. Google und einige andere Unternehmen wurden kürzlich massiv aus dem Netz angegriffen. Dabei wurden Daten von Google gestohlen. Zudem wurde im Rahmen der Attacke versucht, Mailkonten von Menschenrechtsaktivisten auszuspähen (was nur in geringem Umfang gelang). Die Angreifer konnten allerdings nur Account-Informationen und Betreffzeilen ermitteln, nicht aber die Texte der Mails.

Die Quelle der Angriffe konnte eindeutig ermittelt werden: China.

Google ist nun nicht mehr länger bereit, die Zensurspielchen der chinesischen Regierung mitzuspielen. Sie sagen, dass sie in China künftig entweder eine unzensierte Version von Google laufen lassen werden oder in letzter Konsequenz ihr Chinageschäft aufgeben.

Was sind das nur für arme Würstchen in der chinesischen Regierung? Wieviel Angst müssen diese kommunistischen Wichte haben, dass sie ihre eigenen Bürger bespitzeln, ausspähen, die Presse kontrollieren, keine freie Meinungsäußerung zulassen, Kritiker verhaften und einsperren? Ich habe für solche Regimes nur Verachtung übrig und freue mich auf den Tag, an dem China endlich ein demokratischer Staat ist.

Mh, Google … in den letzten Jahren ist Google sehr mächtig geworden. Die Datenbestände von Google sind unglaublich umfangreich und ich bin sicher, dass Google und Apple mehr über mich wissen, als ich selbst – zumindest in mancher Hinsicht. Komischerweise habe ich damit gar kein so großes Problem. Ich denke, dass meine Daten bei Apple oder Google in jedem Fall besser aufgehoben sind, als bei einer staatlichen Institution. Und ich glaube, dass Google „not evil“ ist. Denn Googles Geschäftsmodell beruht auf Vertrauen. Wenn die User Google mißtrauen, ist es schnell vorbei mit dem Geschäft. Oder nehmen wir Apple als anderes Beispiel. Mobile Meist unheimlich praktisch – im Gegenzug „kennt“ Apple natürlich meinen Kalender, kann meine Mails lesen  … und ich bezahle auch noch dafür! Aber es macht mir das Leben leichter 🙂

Ich glaube, eine der Kernfragen ist, was derjenige, der etwas von mir weiss, mit den Daten anfangen will. Der chinesische Staat sammelt Daten, um seine Bürger zu unterdrücken, zu kontrollieren, zu sanktionieren. Und er hat die Mittel dazu, z.B. eine regimetreue Justiz und Polizei. Google oder Apple können das nicht, die haben keine Geheimpolizei. Sie brauchen mich als Kunden, um zu überleben. Deswegen funktioniert Zensur und Überwachung in totalitären, verbrecherischen Staaten wie China so viel besser als in Demokratien. Denn der demokratische Staat braucht seine Bürger in gewissem Sinne auch als „Kunden“, als Wähler. Die Wähler sind es, die die Regierung legitmieren.

Euch eine menschliche, demokratische Zeit.