alte welt <> neue welt

Ich bin ein Musik-Nerd. Schon seit meiner Kindheit höre ich Musik. Mein Geschmack hat sich immer wieder gewandelt. In chronologischer Reihenfolge …

– Kinderlieder

– Pop und die Neue Deutsche Welle

– New Wave der 80er (ich habe nahezu alle Platten von Depeche Mode, New Order)

– Stadionrock ala U2 und Simple Minds

– diverse Rock-Pop-Scheiben, die ich längst vergessen habe

u.s.w.

Heutzutage höre ich gerne Jazz, vor allem Coltraine.Und ich mag die ehrliche Bluesrock-Musik der 60er und 70er Jahre- Hendrix, Grateful Dead, Rory Gallagher. In jüngster Zeit auch Joe Bonamassa, Kenny Wayne Shepherd, Robert Cray.

Musikliebhaber brauchen vor allem eins: neue Platten! Nun gibt es auf der Welt ein Riesenangebot an Musik. Früher, als Jugendlicher, habe ich Stunden in Plattenläden verbracht und dort mein letztes Geld gelassen. Ich habe noch heute Berge von Musikkassetten und Platten mit altem Zeug. Natürlich habe ich mir nicht alle Platten selbst kaufen können und eine Menge aufgenommen. Ich weiss noch, wie neidisch ich auf das rattenscharfe Nakamichi-Tapedeck eines guten Freundes war 🙂

Später kam die CD auf den Markt und ich war total glücklich. Man konnte bei meinem Denon CD-Player sogar die Titelreihenfolge programmieren (aus heutiger Sicht ein vollkommen dämliches Feature). Kein rauschen, knacksen … toll. Ich hatte zwar keine wirklich gute Anlage, aber zumindest war das Teil laut!

Zu jener Zeit habe ich mir über Urheberrechte schlicht keine Gedanken gemacht. Entweder habe ich die CD/Platte gekauft, oder ich habe es eben gelassen. Heute kaufe ich meine Musik bei iTunes statt im Plattenladen um die Ecke. Man kann dort in Ruhe Platten anspielen (ihr merkt, ich benutze immer noch den Begriff „Platte“ 🙂 ), sich Rezensionen ansehen, die Website der Band anschauen. Super! Die Qualität ist bei AAC mit 256 kBit/s echt o.k. und reicht für meine Zwecke vollkommen aus. Das beste dran ist iTunes Match / iCloud. Das ist für einen Musikliebhaber einfach nur toll und unheimlich praktisch.

Tatsächlich (ihr werdet es nicht glauben, stimmt aber wirklich), besitze ich nicht ein einziges „geklautes“ oder „raubkopiertes“ Musikfile aus dem Internet. Nicht eins. Trotzdem leihe ich mir ab und an eine Scheibe von einem Freund und schubse die in mein iTunes, so wie ich früher gelegentlich eine Kassette aufnahm. Und auch ich brenne manchmal einem Freund eine CD.

Was hat sich also geändert in den letzten 35 Jahren? Eigentlich nichts! Bis auf technische Details hat sich wirklich nichts geändert.

Vielleicht aber doch. Es ist zurecht illegal, in großem Stil Musik über Downloadplattformen zu verteilen. Genauso illegal, wie früher das verscheuern schwarz gebrannter CDs auf dem Flohmarkt. Und ich finde es auch nicht richtig, dass es Plattformen gibt, die mit dem geistigen Eigentum anderer Leute Geld verdienen ohne für den Content zu zahlen. Ich verstehe nicht, warum die GEMA nicht einfach den gleichen Vertrag wie z.B. mit dem WDR auch mit  youtube oder sonst einem „Internetsender“ abschließen kann. Vielleicht bin ich auch zu old-fashioned, um das zu verstehen. Aber mir erschließt sich der Unterschied zwischen youtube & co. und einem privaten Fernsehsender nicht wirklich.

Aus Nutzersicht, das verstehe ich dabei auch nicht, ist das doch einfach: Einen Sender, der meinen bevorzugten Content nicht liefern kann, den gucke ich halt nicht. Drum schaue ich z.B. weder youtube noch sonst einen (Fernseh-)Sender, weder im Netz noch im TV. Wenn youtube „meine“ Musik nicht spielt, dann shoppe ich mir halt spotify, zum Beispiel, wenn ich denn wollte. Die haben dieses GEMA-Problem nicht. Ist ja bei Radiosendern nicht anders (die werden auch immer blöder, mit Ausnahme des Deutschlandfunks).

Wie wäre es mit lesen? Jazzthing, Rolling Stone oder Gitarre & Bass 🙂 . Da gibt es genug coole Musikempfehlungen, in die man bei iTunes ganz legal hereinhören kann und die Platte dann kauft oder eben nicht oder auf die Wunschliste für später oder den Geburtstag. Eben so „wie früher“.

Früher war eben doch alles besser ?

Nein, nur anders.

Euch eine menschliche Zeit mit guter Musik.

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